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Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft in Alfter-Volmershoven

Posted on 15. November 20253. Dezember 2025 by admin

Am 15.11.2025 war der Tag der offenen Tür in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) im Ortsteil Witterschlick-Volmershoven der Gemeinde Alfter (Hauptstraße 301-309). Die Anwohner und interessierte Öffentlichkeit konnten das Gelände und Teile der leerstehenden Räumlichkeiten betreten, Fragen stellen und sich informieren. Nachfolgend habe ich die wesentlichen Informationen und Antworten auf die Fragen der Anwohner zusammengestellt. Alle Angaben sind ohne Gewähr, da sie größtenteils auf die Auskünfte der Zuständigen vor Ort basieren.

Unsere neuen Nachbarn

In dieser neu errichteten Container-Unterkunft können bis zu 360 geflüchtete Menschen untergebracht werden. Die Dauer bzw. Befristung der Inbetriebnahme der Unterkunft ist nicht bekannt. Die Bewohner stammen aus den verschiedensten Ländern der Welt. Aufgrund der aktuellen weltpolitischen Lage sind es häufiger die Geflüchteten aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, vereinzelt aus den Ländern wie Marokko, China, Balkanländern oder Subsahara-Afrika.

Die Flüchtlinge aus der Ukraine werden aus formalen Gründen hier nicht untergebracht, weil sie einen anderen ausländerrechtlichen Status haben. Auch die unbegleiteten Minderjährige (Jugendliche) wohnen in einer für sie vorgesehenen Unterkunft anderenorts.

In der Unterkunft in Alfter-Volmershoven werden die Familien (Eltern mit Kindern) und alleinstehende Erwachsene in separaten Containern bzw. Etagen wohnen. Der Anteil der männlichen Bewohner ist nicht vorgeschrieben und zum jetzigen Zeitpunkt unklar.

Die Bewohner werden Ende November 2025 einziehen. Es werden wenige Dutzend erwartet. Die Kapazität von 360 Plätzen wird also zunächst nicht beansprucht. Die Familien werden hier 3-6 Monate lang und Alleinstehende maximal 18 Monate lang bleiben, solange sie auf die Ergebnisse ihrer Asylanträge warten.

Nach einem positiven Asyl-Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ziehen die Geflüchteten in eine Wohnung in einer anderen Gemeinde oder Stadt um und verbleiben oftmals nicht in Alfter. Nach einem negativen Bescheid müssen die Asylantragsteller diese Unterkunft und Deutschland verlassen. Der Ablauf des Asylverfahrens ist jedoch relativ komplex und in der Praxis gibt es einige Abweichungen. Auf der Website des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sind die Details zum Asylverfahren.

Alltag der Bewohner

Das Gelände der Unterkunft ist umzäunt, um z.B. die Bewohner – etwa die politisch Verfolgte – vor möglichen Angriffen von außen zu schützen. Der Zutritt für Außenstehende und Besucherempfang sind grundsätzlich nicht erlaubt. Die Bewohner können sich auf dem Gelände und außerhalb in Alfter frei bewegen, müssen sich jedoch alle 48 Stunden beim Sicherheitspersonal melden.

In einem Zimmer können bis zu vier Personen wohnen. Es gibt gemeinsame Toiletten, Duschen, Waschräume und Gemeinschaftsräume. Die Mahlzeiten werden vor Ort in der Küche zubereitet und zu Essenszeiten in der Kantine ausgegeben.

Die zwischenmenschlichen Konflikte entstehen oft aufgrund der schlechten Kommunikation. Dabei spielt die Sprache eine zentrale Rolle. So werden in einem Schlafzimmer solche Bewohner untergebracht, die eine gemeinsame Sprache sprechen und sich verständigen können. Also, eine Separation nach Herkunftsland, Religion oder ähnlichem findet nicht statt. Die eher jüngeren Geflüchteten können auch auf Englisch sprechen.

Die Asylantragsteller bekommen ihre Sozialleistungen auf ihre Bezahlkarte „Socialcard“ überwiesen. Je nach Regelbedarfsstufe sind es etwa 40-50 Euro pro Woche. Genauer Betrag konnte nicht genannt werden. Von ihrem Konto können die Geflüchteten maximal 50 Euro pro Monat in bar abheben.

Es werden Deutschkurse mit ehrenamtlichen Lehrenden angeboten, die oft Laien oder Studierende sind. Eine professionelle Fachkraft mit dem Abschluss in Deutsch als Fremdsprache (DaF) ist nicht vorgesehen. Die Kurse finden je nach Kapazitäten täglich oder mehrere Male pro Woche statt. Die Teilnahme an den Deutschkursen ist für die Geflüchteten freiwillig. Eine Herausforderung dabei ist auch, dass manche Menschen, z.B. aus Afghanistan, aufgrund der komplett fehlenden Bildungsgrundlage Analphabet sind.

Für die Kinder wird eine pädagogische Fachkraft zur Verfügung stehen und für schulnahes Bildungsangebot zuständig sein. Es wird aber aufgrund der Gegebenheiten kein üblicher Schulunterricht stattfinden. Die Kinder haben ein gemeinsames Spielzimmer. Draußen auf dem Gelände wird bald ein Spielplatz errichtet.

Für die Bewohner werden verschiedene Aktivitäten angeboten wie Frauencafé, Männercafé, Fitnessraum mit Sportgeräten, gemeinsames Kochen usw. Im Gemeinschaftsraum kann z.B. am Kickertisch gespielt werden. Der Gebetsraum ist neutral ausgestattet und kann religionsunabhängig als Rückzugsort zum Beten genutzt werden.

In der Sanitätsstation werden je nach Bedarf verschiedene Fachärzte zur Verfügung stehen. In der hauseigenen Apotheke werden Medikamente herausgegeben. Eine psychologische oder psychiatrische ärztliche Betreuung der oftmals traumatisierten Menschen ist nicht explizit vorgesehen. Es werden primär die körperlichen Beschwerden behandelt.

Verteilung der Geflüchteten in Deutschland

Die Verteilung der geflüchteten Menschen erfolgt in Deutschland nach dem EASY-Quotensystem. Demnach werden in Nordrhein-Westfalen rund 21% der Geflüchteten aufgenommen, die in die Städte und Gemeinden wie Alfter verteilt werden – in diesem Fall von Bochum aus. Die Bezirksregierung Köln teilt mit: „Zu den Landesunterkünften zählen die Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE), in denen die Unterbringung nach der Ankunft in NRW erfolgt, die Registrierung als Flüchtling durchgeführt wird und medizinische Untersuchungen sowie Impfungen vorgenommen werden. Hier erhalten die Flüchtlinge auch die Gelegenheit, das Asylverfahren einzuleiten bzw. einen formalen Asylantrag zu stellen. Die anschließende Unterbringung und Betreuungsarbeit bis zur Verlegung in eine kommunale Einrichtung finden in Zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) statt. Zusätzlich zu diesen primären Aufgaben haben einige ZUE mittlerweile die Besonderheit, insbesondere die speziellen Bedürfnisse von schutzbedürftigen Personen wie beispielsweise Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, allein reisende Frauen, Schwangere und Traumatisierte zu berücksichtigen.“

Mitarbeiter der ZUE

Die Bezirksregierung Köln hat die Container-Bauten errichtet und ist allgemein als öffentliche Hand für den Betrieb und Finanzierung zuständig. Vor Ort werden vier Mitarbeitende des Dezernats 20 tätig sein – darunter Frau Arslan und Frau Djoumma. Zu Ihren Aufgaben zählen beispielsweise die allgemeinen behördlichen Angelegenheiten der Geflüchteten, Postzustellung, Überwachung der Leistungserbringung der sozialen Betreuungsorganisation und des Sicherheitsdienstes, mit denen zunächst jeweils ein einjähriger Vertrag abgeschlossen wurde.

Die Bewohner werden von den Betreuern des Sozialdienstleisters „European Homecare GmbH“ rund um die Uhr und in drei Schichten betreut: sechs Betreuer in der Frühschicht, sechs in der Spätschicht und drei in der Nachtschicht. Die Betreuer selbst sind oftmals Menschen mit Migrationshintergrund und sprechen verschiedene Sprachen wie Arabisch, Kurdisch, Türkisch, Persisch, Russisch, Englisch usw., sodass sie mit den Bewohnern ohne Sprachbarrieren kommunizieren können. Die Leiterinnen der Betreuer sind Frau Karbach und Frau Jabbar. Der Ansprechpartner für die Alfterer Anwohner ist der Umfeldmanager Herr Dourdi.

Auch die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes „BEWA Security GmbH“ sind in ähnlich großer Besetzung in drei Schichten tätig und rund um die Uhr auf dem Gelände anwesend.

Ein Problem ist die fehlenden Parkplätze für die 15-20 Mitarbeitenden der ZUE, die rund um die Uhr einen Parkplatz für ihre Autos brauchen. Denn auf dem eigenen Gelände wurden keine Parkplätze errichtet. Der Grund dafür und eine langfristige Lösung konnten nicht genannt werden. Es wurde wohl vorerst vereinbart, dass die Mitarbeitende die Parkplätze des nahgelegenen Fußballplatzes nutzen.

Bei Bedarf werden von der Bezirksregierung Köln die Dolmetschende für verschiedene Sprachen beauftragt. Aber in den Anhörungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, in denen es über die Asylanträge entschieden wird, sind die freiberuflichen Dolmetschende des Bundesamts im Einsatz.

Schlusswort

Im Sommer 2025 während meiner Haustürgespräche vor der Kommunalwahl hatten einige Nachbarn aus Volmershoven-Heidgen ihre Sorge oder Unwohlsein mit dieser Flüchtlingsunterkunft geäußert. Auf dem Bauzaun am Gelände wurde sogar eine ausländerfeindliche Äußerung angebracht – zwar klein geschrieben, aber gut leserlich. Es gibt Anwohner, die gegen die ungeordnete Migration nach Deutschland und gegen solche Unterkünfte in direkter Nachbarschaft sind. Wir müssen die Sorgen dieser Menschen ernst nehmen, Vorurteile abbauen und durch offenen Austausch versuchen, eine gute und friedliche Nachbarschaft zu pflegen.

Der Tag der offenen Tür in der Flüchtlingsunterkunft in Alfter-Volmershoven war gut besucht. Es fand reger Austausch statt, viele Fragen wurden gestellt und freundlich beantwortet. Viele Anwohner haben ihre Hilfe und Sachspenden, z.B. Kinderspielzeug angeboten. Es gibt viele Menschen, die vom Herzen die Willkommenskultur pflegen, was erfreulich ist.

Guli Maripova, 15.11.2025

– Nachtrag –

Gemäß der Auskunft der Gemeinde Alfter vom 01.12.2025 möchte ich folgende Ergänzungen hinzufügen:

„[…] Die Gemeinde Alfter ist – wie alle anderen Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland – zur Unterbringung von Geflüchteten verpflichtet. Die Errichtung der ZUE in Witterschlick findet durch das Land NRW statt und wird durch das Land NRW finanziert. Die Gemeinde Alfter errichtete die ZUE und finanziert diese vor. Im Rahmen des 7-jährigen Mietvertrages werden alle Kosten (inkl. Finanzierungskosten) erstattet. Die Errichtung vermeidet auf absehbare Zeit eine Belegung von Turnhallen. Sollten Turnhallen trotz intensiver Bemühungen in Zukunft doch einbezogen werden müssen, werden die Vereine im gemeinsamen Gespräch
vorher entsprechend informiert. […]

Kontakt Umfeldmanager: Herr Feras Dourdi, Telefon: 0151-54902320, E-Mail: alfter.umfeld@eu-homecare.com […]

Informationen finden Sie auf der Website der Gemeinde Alfter unter www.alfter.de/bauen-wohnen/zue-witterschlick.

Guli Maripova
Liberale Kommunalpolitikerin
Engagiert, ehrlich, pragmatisch!

Was kann in Alfter verbessert werden? Haben Sie Anregungen oder Wünsche? Kontaktieren Sie mich gerne per E-Mail: info@gulis-politblog.de

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