Neulich war ich in einem Gericht dolmetschen. Es ging um die schwere räuberische Erpressung in einem minderschweren Fall. Hört sich nach einem schlimmen Verbrechen an, war aber für mich eine traurige und rührende Erfahrung.
Was geschah: Ein Rentner geht regelmäßig zum Müllcontainer eines Lebensmittelgeschäfts, um dort nach Essbarem zu suchen – Brot, Obst, Gemüse, Joghurt usw. Denn seine Rente reicht nicht, um wie alle anderen Menschen im Geschäft normal einzukaufen. Ein anderer Mann, der seit 21 Jahren in Deutschland als geduldeter abgelehnter Asylantragsteller lebt, hat ebenfalls wenig zum Leben – lediglich 200 Euro im Monat. Auch er geht regelmäßig im Müll nach Essbarem oder Pfandflaschen suchen. Die beiden Männer kennen sich und nennen sich „Konkurrenten“, denn es herrscht auf dem Platz eine Art Kampf um die beste Ausbeute. Einmal endete das Aufeinandertreffen in einem Streit unter Einsatz eines scharfen Gegenstands, als der Eine dem Anderen eine Packung Brot wegnehmen wollte. So landete die Sache vor Gericht. Der Verurteilte bekam ein Jahr auf Bewährung und eine Geldstrafe.

Während sich die Juristen den Kopf um die Schmankerl-Frage zerbrachen, ob denn das Vermögen (Brot) in Besitz der anderen Person übergetreten ist oder nicht, musste ich innerlich mit dem Kopf schütteln. Denn als Gerichtsdolmetscherin muss ich professionell und neutral arbeiten und darf keine Emotionen zeigen. Aber rein menschlich machte mich diese absurde Situation traurig: Erstens, weil eine Menge Menschen – ein Richter, zwei Schöffen, eine Protokollführerin, eine Staatsanwältin, ein Verteidiger und eine Dolmetscherin – zusammengetrommelt werden, um „so etwas“ zu klären. Zweitens, weil die Armut in Deutschland so eine große und traurige Dimension hat. Juristisch gesehen ging es in diesem Fall natürlich nicht um das Brot, sondern um die Erpressung – alles ist korrekt abgelaufen. Es ist auch gut so, dass der Rechtstaat funktioniert.
Auch ich hatte früher als Studentin ein paar Mal aus dem Müllcontainer Lebensmittel geholt und habe mir zu Hause etwas zu Essen gemacht. Der Container war tatsächlich voll mit Lebensmitteln, die in Ordnung waren. Das waren die Zeiten, als man wegen des Containerns (juristisch Diebstahl) erfolgreich verklagt wurde, denn der Müll ist das Eigentum des Geschäfts.
Es ist wirklich erschreckend, dass in Deutschland die Lebensmittel tonnenweise im Müll landen, s. das Bericht des Ministeriums. Die einen pflegen die Subkultur des Containerns und retten die Lebensmittel, weil sie dadurch die Welt verbessern wollen. Die anderen sind wirklich arm und müssen im Müll wühlen, um nicht zu verhungern.

Mein Appell an diejenigen, die migrieren wollen: Bitte kommt nicht nach Deutschland, wenn es nicht sein muss. Hier fließen keine Milch und kein Honig. Viele Migranten enden hier in Armut und traurigen Aussichtslosigkeit. Um in Würde und Wohlstand ebenbürtig zu leben, muss man erst die deutsche Sprache gut lernen, sich in die Gesellschaft vielseitig integrieren, hart arbeiten und vieles schaffen. Dafür hat nicht jeder Mensch die Kraft, Motivation und Fähigkeit.
An alle anderen Menschen in ihren besten Jahren würde ich sagen: Bitte kümmert euch während der berufstätigen Jahre um eure Altersvorsorge. Insbesondere Selbständige nehmen das auf die leichte Schulter und landen oft in der Altersarmut. Die staatliche Rente ist nicht sicher – das ist die Tatsache. Also, verkonsumiert euer Einkommen nicht komplett. Spart das Geld und legt es in Immobilien, Aktien, Edelmetalle, Kryptowährung oder anderweitig an. Beschäftigt euch mit dem Thema Vermögensaufbau gegen Altersartmut.
Ach ja! Sie fragen, was denn mit dem Brot geschah? Das Brot wurde fallen lassen und landete wieder im Müllcontainer.
Guli Maripova, 20.07.2025