Am 01.07.2026 fand die zweite Sitzung des Arbeitskreises für Ausländerfragen und Integration der Gemeinde Alfter statt.
Zusammensetzung und Ziel des Arbeitskreises
Der Arbeitskreis ist ein politisches Gremium und wurde in der Ratssitzung am 05.03.2026 auf der Grundlage einer Richtlinie bestellt bzw. demokratisch gewählt (s. Richtlinie). Er besteht aktuell aus neun (von möglichen fünfzehn) Mitgliedern – darunter sechs Vertreterinnen der Ratsfraktionen und drei Fraktionslose. Seit der Kommunalwahl am 14.09.2025 sind in der aktuellen Legislaturperiode von 2025-2030 fünf von neun Mitgliedern neu im Gremium. Zudem nehmen die Vertreterinnen der Verwaltung – allgemeine Vertretung des Bürgermeisters und das Sozialamt – an den Sitzungen teil. Es ist eine bunt gemischte Gruppe von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, die gemeinsam die Anliegen der Ausländer in der Gemeinde Alfter behandeln und sich für eine gelungene Integration einsetzen möchten.
Bericht der Verwaltung
Die Verwaltung hat zum aktuellen Stand der Zuflucht suchenden Personen wie folgt berichtet: „In den gemeindeeigenen Unterkünften sind derzeit 293 Personen untergebracht. Diese teilen sich in folgende Kategorien auf:
- 88 Personen im Asylverfahren
- 29 Personen mit Duldung
- 77 Personen mit Aufenthaltserlaubnis
- 9 Ortskräfte mit Aufenthalt [oft aus Afghanistan, z.B. ehemals für die ISAF-Truppen Tätige]
- 50 Personen aus der Ukraine gem. § 24 AufenthG
- 11 Zuweisungen von Personen nach § 12a AufenthG
- 29 Obdachlose/Wohnungslose“
Die Übersicht der in den Gemeindeunterkünften untergebrachten Personen und Entwicklung von 2023-2026 wurde wie folgt dargestellt (Quelle: Sozialamt der Gemeinde Alfter):

Bericht der Sozialarbeiterin
Die in der Gemeinde Alfter angestellte Sozialarbeiterin hat über ihre Arbeit und Herausforderungen berichtet. Sie unterstütze die Ausländer in allen Lebenslagen, bei den Formalitäten der Behörden, in den Unterkünften und bei Notfällen. In Alfter leben Menschen aus den Ländern wie Syrien, Ukraine, Afghanistan, Türkei, Iran, Aserbaidschan, Pakistan, Mongolei, Ghana, Eritrea, Angola, Nigeria. Aufgrund der Situation in ihrem Herkunftsland seien manche von ihnen Analphabet, was beim Erlernen der deutschen Sprache eine besondere Herausforderung darstelle und die Integration verzögere.
Die Gemeinde Alfter habe keine finanziellen Mittel zur Heranziehung der professionellen Dolmetscher zur Verständigung. Die Verwaltung sei auf die freiwillige Unterstützung der Menschen mit z.B. Arabisch- und Türkischkenntnissen angewiesen, die sich in der Vergangenheit nicht nur als Laiensprachmittler, sondern auch als Konfliktschlichter tatkräftig eingesetzt haben.
Zudem haben die Ausländer neue Herausforderungen mit den Integrationskursen. Denn das Bundesinnenministerium hat Anfang 2026 die Finanzierung der Integrationskurse für Menschen ohne unmittelbaren Rechtsanspruch gestoppt (s. Infos zu Integrationskursen). Somit sind die öffentlich finanzierten Integrationskurse aktuell grundsätzlich für Ausländer mit Bleibeperspektive möglich. Die Gesamtkosten eines Integrationskurses belaufen sich laut Angaben der Sozialarbeiterin auf ca. 3.000 Euro, was für die meisten Ausländer privat kaum zu bewältigen sei. Die Integrationskurse werden von der Volkshochschule Bornheim/Alfter angeboten (s. Inhalte der Integrationskurse). Aufgrund der Kürzungen der Förderung fehle auch der Volkshochschule ein Teil der Einnahmen.
Zur Erleichterung des Alltags habe die Gemeinde Alfter einen Wegweiser (ein Heftchen) mit allen relevanten Informationen zum Leben in Deutschland erstellt und stellt den interessierten Ausländern zur Verfügung. Der Wegweiser kann bei der Sozialarbeiterin in ihrem Rathausbüro abgeholt werden.
Mit finanzieller Unterstützung des Rhein-Sieg-Kreises und in Partnerschaft mit der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft seien Kunstprojekte für Flüchtlingskinder ermöglicht worden. Für November 2026 sei eine Ausstellung geplant.
Die Sozialarbeiterin meldet beim Arbeitskreis den Bedarf an Hilfe bei den Behördengängen der Ausländer, weil die persönliche Begleitung ihrerseits nicht immer möglich sei. Zudem sei die Unterstützung zum Deutschlernen im Privatunterricht sowie die Hilfe während der Suche der berufsbezogenen Ausbildungsplätze nötig.
Projekte 2026
Die Angebote des Arbeitskreises aus der vorherigen Legislaturperiode wurden verschiedentlich angenommen (s. Bericht 2020-2025). Der Workshop rund um die Wohnungssuche für Zuflucht suchende erregte beispielsweise eine große Aufmerksamkeit. Die Formate wie „Café International“ oder „Internationales Kochen“ hatten jedoch keine nennenswerte bzw. abnehmende Nachfrage.
In der Sitzung des Arbeitskreises für Ausländerfragen und Integration am 01.07.2026 wurde es versucht herauszufinden, welche Formate wieder angeboten werden könnten. Zudem wurde besprochen, was die Erwartungen und Wünsche der einzelnen Mitglieder einerseits – und der Verwaltung andererseits – an den neu zusammengesetzten Arbeitskreis sind. Als ein wichtiges und dringendes Thema wurde die schlechte Hygiene in den gemeindlichen Unterkünften und der Lösungsbedarf genannt.
Schlechte Hygiene in den Unterkünften
Die Verwaltung und freiwillige Betreuerinnen berichteten über erhebliche hygienische Mängel in den gemeindeeigenen Unterkünften, wodurch ein hoher materieller Schaden für die Gemeinde Alfter entstanden sei. Die Unterkünfte seien oftmals stark verschmutzt und vermüllt, was für eine außenstehende Person, z.B. aus der Verwaltung, zum Weglaufen sei. Es werde in den Unterkünften in den nicht erlaubten Bereichen geraucht, was Probleme mit den Zigarettenkippen, Geruchsbelästigung der Mitbewohner und passives Mitrauchen verursache.
Die Gemeinschaftsräume wie Toiletten, Badezimmer und Küchen seien in der Vergangenheit dermaßen verschmutzt und unbrauchbar geworden gewesen, dass eine teure Kernsanierung der Sanitäranlagen erforderlich war. Es wurden sogar Ungeziefer wie Kakerlaken entdeckt. Das Gesundheitsamt musste sich einschalten und Maßnahmen ergreifen. So musste im Juni 2026 in einer Unterkunft eine kostspielige Grundreinigung durch eine Reinigungsfirma erfolgen. Aus ihrer Erfahrung erwartet jedoch die Verwaltung, dass diese Unterkunft in kürzester Zeit wieder im dreckigen Zustand sein wird.
Als Grund für die schlechte Hygiene in den Unterkünften wurde die bei manchen Bewohnern fehlende Bereitschaft zur Reinigung der selbst benutzten Bereiche wie Gemeinschaftstoiletten, Küchen und Badezimmer genannt. Die unterkunftsinternen Abmachungen zur Reinigung seien von einigen Bewohnern ignoriert worden. Es fühle sich kaum jemand für die Sauberkeit verantwortlich. Unter diesem Zustand leiden wiederum die anderen Bewohner, darunter Kindern, die auf die Sauberkeit achten. So ein schlechter Umgang mit dem Fremdeigentum (dem Eigentum der Allgemeinheit bzw. der Einwohner der Gemeinde Alfter) wurde verurteilt.
Zur sozialen Dynamik in den Unterkünften wurde berichtet, dass es in der Vergangenheit seitens eines arabischsprachigen Bewohners auffällige Gewaltausbrüche sowie Mord- und Selbstmorddrohungen gegenüber den Verwaltungsmitarbeitern gab. Die Polizei war vor Ort im Einsatz. Diese Person lebt inzwischen in einem anderen europäischen Land.
Lösungsvorschläge und Meinung
Ich persönlich bin über diese Zustände in den Unterkünften empört, aber nicht zu sehr überrascht. Denn an Orten, wo Menschen eng miteinander leben (müssen), entsteht oft die Eigendynamik mit Reibereien und Problemen bei der Sauberkeit.
Als Lösung habe ich die Etablierung einer hausinternen Selbstverwaltung in den Unterkünften angeregt, analog zu den Studentenwohnheimen. Dabei ist jedoch die Herausforderung, dass dort anders als Studenten eine besondere Klientel wohnt, eine herkunftsbedingte abweichende Auffassung von „Sauberkeit und Ordnung“ vorhanden sein könnte oder die Eigenverantwortung gänzlich fehlen könnte. Zudem könnte aufgrund der oftmals schlechten Deutschkenntnisse die Kommunikation der Bewohner untereinander nicht gut gelingen.
In der Runde des Arbeitskreises wurde auch die Möglichkeit der finanziellen Sanktionierung angesprochen. Die Verwaltung teilte mit, dass formaljuristisch die Sozialleistungen an die Bewohner nicht gekürzt und somit ihnen die Reinigungskosten in dieser Form nicht aufgezwungen werden dürfen. Die Verwaltung habe daher bisher versucht, das Problem mit der Hygiene anderweitig, z.B. mit Appellen, zu lösen – mit mäßigem Erfolg.
Laut § 6 der Satzung über die Benutzung gemeindlicher Unterkünfte sind die Bewohner zur Reinhaltung der Unterkünfte verpflichtet (s. Satzung ). Gemäß § 9 der Satzung kann die Gemeinde Alfter die Schäden und Verunreinigungen, für welche die Benutzer haften, auf deren Kosten beseitigen lassen. Die Einhaltung dieser Regelungen muss in der Praxis vollzogen werden. Meines Erachtens muss eine entsprechende Sanktionierung stattfinden. Die Herausforderung dabei ist – so in der Runde besprochen – die Verschmutzer an Ort und Stelle ausfindig zu machen und sie verbindlich zu belangen. Es gibt keine Überwachungskameras. Es gibt keinen durchgehend anwesenden Hausmeister bzw. Hausverwaltung.
Der Arbeitskreis hat sich zunächst darauf geeinigt, im September 2026 eine Maßnahme zur Sensibilisierung der Bewohner der Unterkünfte zum Thema Sauberkein und Ordnung durchzuführen.
Die Reinigungskosten für die Unterkünfte fallen regelmäßig an und sind hoch. Zudem entsteht ein hoher materieller Schaden am Gemeindeeigentum, wenn komplette Badezimmer kernsaniert werden müssen. Diese Maßnahmen werden auf Kosten der Steuerzahler und Allgemeinheit finanziert. Das ist ein nicht hinnehmbarer Zustand, zumal sind die Finanzen der Gemeinde Alfter im kritischen Zustand.
Die Empörung in Teilen der Bevölkerung über die Unterhaltungskosten der Ausländer ist nachvollziehbar und muss von den Politikern ernst genommen. Die Probleme müssen transparent kommuniziert werden. Viele Ausländer haben keine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland, weil sie in Asylverfahren oder Duldung sind, Einige sind ausreisepflichtig, gehen aber nicht freiwillig weg oder werden nicht abgeschoben, sehr viele haben nie Steuern gezahlt oder ähnlichen Beitrag in die Gesellschaft geleistet. Sie sind Gäste in diesem Land. So sollten sie sich auch benehmen.
Ich möchte mich dafür einsetzen, dass unsere Steuergelder vernünftig eingesetzt werden und die Menschen, ob Ausländer oder nicht, die Eigenverantwortung übernehmen und mit dem Eigentum der Allgemeinheit rücksichtsvoll umgehen. Zudem möchte ich mich explizit für die Kinder einsetzen, die unter solchen unhygienischen Zuständen in den Unterkünften leiden.
Was ist eine gelungene Integration?
In der Runde wurde in dem Zusammenhang auch das Thema Integration angesprochen. Wann ist die Integration eines Ausländers in Deutschland gelungen? Meines Erachtens ist die Integration ein wechselseitiger Prozess. Es erfordert das beidseitige Engagement der Zugewanderten und der Aufnahmegesellschaft, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen. Die zentralen Bausteine für eine gelungene Integration sind folgende:
- Sprachkompetenz: Das Erlernen der deutschen Sprache ist der absolute Schlüssel und die wichtigste Voraussetzung für alle weiteren Integrationsschritte;
- Bildung und Arbeit: Die strukturelle Integration in das Bildungssystem, die Anerkennung von Abschlüssen und die Arbeitsmarktintegration sichern den Lebensunterhalt und fördern Unabhängigkeit;
- Wohnen: Das Finden von dauerhaftem Wohnraum in der Mitte der Gesellschaft statt in Übergangslösungen;
- Gesellschaftliche Teilhabe: Die aktive Teilnahme am sozialen, kulturellen und politischen Leben, der Aufnahmegesellschaft eigenen Beitrag zurückgeben;
- Werte und Normen: Die Akzeptanz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, des Grundgesetzes und unserer Rechtsordnung als gemeinsame Basis des Zusammenlebens.
Machen Sie mit!
Der Erfolg des Arbeitskreises hängt vom Engagement und dem Ideenreichtum seiner Mitglieder ab. Falls auch Sie sich für die Ausländerfragen und Integration interessieren, machen Sie gerne mit. Es können noch weitere Mitglieder aufgenommen werden. Wenden Sie sich bei Interesse an die Verwaltung der Gemeinde Alfter.
Falls Sie einen Eindruck von der Arbeit des Arbeitskreises gewinnen möchten, können Sie in den Sitzungen als Zuschauer teilnehmen. Die Sitzungen des Arbeitskreises sind teilweise (größtenteils) öffentlich und für Jedermann zugänglich.
Die nächste Sitzung ist für den 07.10.2026 um 18:00 Uhr im Rathaus der Gemeinde Alfter geplant.
Guli Maripova
FDP-Mitglied, fraktionsloses Ratsmitglied, Mitglied im Arbeitskreis für Ausländerfragen und Integration